Wenn ich an Ricky`s Vergangenheit denke könnte ich schreien und weinen zugleich. Was ihr genau alles widerfahren ist weiß keiner genau, aber es war nichts gutes.
Im November 2001 kam sie durch eine Einweisung vom Ordnungsamt ins Tierheim Mönchengladbach. Sie wurde gemeinsam mit 9 anderen Staffordshire Terriern in einem kleinen Bretterverschlag gefunden. Ohne menschliche Zuwendung und ohne zu wissen was das Wort Liebe bedeutet muss sie dort sehr lange Zeit gelebt haben. Ihre einzige Aufgabe war es einen Wurf nach dem anderen zu produzieren, dementsprechend sehen auch heute noch ihre Zitzen aus. Ihr seelischer und körperlicher Zustand als sie ins Tierheim kam war mehr schlecht als recht, ihre Zähne waren in einem so schlechten Zustand das man vermutet das sie wenig zu fressen bekam und unter anderem auf Steinen rum kauen musste.

Auch ihr Alter konnte man aufgrund des schlechten Zustandes nur schwer schätzen, weshalb wir bis heute nicht wissen ob sie vielleicht 1998 oder doch schon 1996 geboren wurde. Aber sie war nun in Sicherheit. Gerettet vor der Bestie Mensch, der vielen Hunden das Leben zur Hölle gemacht hat und der dafür gesorgt hat das einige Hunde ihr Leben lassen mussten.
Nicht auszudenken wie es Ricky ergangen wäre, wenn dieser „Mensch“

die Gerichtsverhandlung gewonnen hätte und die Hunde zurück bekommen hätte. Denn vier Jahre später fand man wieder 4 Hunde bei ihm, mehr tot als lebendig. Gequält und als Kampfhunde missbraucht. Es würde an dieser Stelle zu weit führen hier über die Geschichte von den vier wundervollen Hunden Lukas, Hope, Libby und Midnight zu schreiben. Wer sich trotzdem dafür interessiert kann hier alles nachlesen.
Unsere gemeinsame Geschichte mit Ricky begann im Januar 2002. Zu diesem Zeitpunkt haben wir angefangen ehrenamtlich im Tierheim Mönchengladbach zu arbeiten. Ricky gehörte zu den Hunden die völlig unscheinbar waren, die man einfach übersieht. Bei den Tierheimmitarbeitern war sie allerdings sehr beliebt, man konnte Stunden mit ihr in ihrem Zwinger sitzen und mit ihr kuscheln. Ricky fühlte sich im Tierheim zu Hause, sie dachte aufgrund ihrer Vergangenheit das es nichts schöneres gebe. Sie fühlte sich dort so sicher, das sie noch nicht mal das Tierheimgelände verlassen wollte. Doch man musste ihr zeigen wie schön Spaziergänge sein können und dort kamen wir ins Spiel. Kaum jemand hatte die Geduld dazu Ricky zu überreden das Tierheimgelände zu verlassen.

Auch wir waren oft verzweifelt und konnten diesen Hund nicht verstehen warum sie nichts von der Welt sehen wollte. Doch dann kam der Tag, nach zig Versuchen, an dem sie mit uns mit ging. Und sie lief und lief und lief!Wir hatten es geschafft ihr Vertrauen zu gewinnen. Von da an war sie unser Gassihund.
So vergingen viele Monate in denen wir mehrmals die Woche mit ihr spazieren gingen und sie auf Ausflügen mitnahmen. Wir lernten uns kennen, uns lieben und verstehen.

Das wir Ricky zu diesem Zeitpunkt zu uns holen kam nie zur Sprache, da wir eigentlich wussten das es aufgrund unserer Wohnsituation noch unmöglich war.
Im August 2002 passierte dann etwas womit wir nicht rechneten. Eine ältere Frau interessierte sich für Ricky, für unsere Ricky. Wie konnte das sein? Es hatte sich bisher nie jemand für sie interessiert. Wir hatten das Gefühl sie zu verlieren und das konnten wir nicht zu lassen.
Ein Anruf bei Benny`s Eltern ergab dann das sie uns ihr okay gaben, sofern sich Ricky mit ihrer Hündin und den Katzen verstand. Also packten wir Ricky ins Auto und fuhren zu Benny`s Eltern, wo Benny zu diesem Zeitpunkt noch lebte.
Und als hätte Ricky es geahnt, benahm sie sich vorbildlich. Aber wir haben auch nichts anderes von unserem Mädchen erwartet.
Am 17.08.2002 zog Ricky dann nach Erledigung der gesetzlich vorgeschriebenen Formalitäten bei uns ein.
Benny`s Familie hatte Ricky auch sehr schnell lieb gewonnen und kümmerten sich um sie während wir ihr Futter verdienten.
Ricky hatte sich auch schnell eingelebt. Obwohl sie nichts kannte, war sie auch von Anfang an stubenrein. Ihre Ängstlichkeit war erst eine Herausforderung für uns, da sie selbst Panik hatte vor ihrem heute heiß geliebten Quitschespielzeug. Doch sie merkte recht schnell das ihre Angst oft unbegründet war.
Mittlerweile ist unsere Ricky schon eine Omi geworden. Ich kann nur immer wieder betonen wie erstaunlich es ist das ein Hund einen Menschen noch so sehr lieben und ihm sein Vertrauen schenken kann obwohl ihm so viel Leid zugefügt wurde. Niemand hätte es ihr übel genommen wenn sie das Vertrauen in den Menschen verloren hätte, aber sie hat sich auf uns eingelassen und so konnten wir ihr zeigen wie schön ein Hundeleben sein kann. Dafür sind wir ihr unheimlich dankbar!